Psychopharmaka? Hilfreich für mich. Wie ist es für dich?

Es ist ein frischer November Morgen um 7 Uhr 30. Draussen höre ich einige Raben krähen. Eine psychische Erkrankung namens schizoaffektive Störung ist der Grund für meine Recovery-Reise. Es ist eine schwerwiegende Erkrankung. Eine die gar lebensgefährdend sein kann. Die Suizidrate unter den Betroffenen ist höher als in der allgemeinen Bevölkerung. Zudem kann es im akuten Zustand, milde gesagt, zu unvorsichtigen Verhalten kommen. Ich hatte viel Glück und bin nun dankbar, dass sich meine Lebensumstände in eine gute Richtung bewegen. Ich gehöre zu jenen Leute die regelmässig Medikamente einnehmen. Von meiner Erfahrung her, habe ich realisiert, dass mir diese hilfreich sind. Allerdings kann es eine Strapaze sein das/die richtigen Medi(s) die gut wirken zu finden, sowie dann die passende Dosierung festzulegen. Ein jeder ist halt ein Individuum. Weitere wichtige Faktoren in meinem Recovery-Prozess sind die Leute in meinem Umfeld. Meine Familie, Freunde, sowie die soziale/therapeutische Begleitung. Ich bin dankbar, dass ich meine Angelegenheiten regelmässig besprechen kann und Leute kenne die mich, falls notwendig, unterstützen. Des Weiteren gibt es Aktivitäten und Interessen die meine Stabilität fördern. Ich habe keine Zweifel, dass es Leute mit dieser oder anderen Diagnosen gibt, die es auch gut ohne Medis schaffen. Vielleicht haben sie andere Strategien gefunden um mit den Symptomen umzugehen oder oder gar ohne solche leben zu müssen. Vor ungefähr 16 Jahren, als ich das erstemal mit einer Psychose hospitalisiert wurde, habe ich, resp. man, es ohne Medis versucht. Stattdessen verbrachte ich ca. drei Monate in einer milieutherapeutischen Einrichtung. Es handelte sich dabei um ein Soteria Haus.

Soteria, Bern (CH)

Zu dieser Zeit reichte mir dies um langsam wieder auf meinen Weg zu gelangen. Leider verging dann nur ein Jahr bis zum erneuten Ausbruch einer Psychose. Unter anderem wohl auch weil ich die Krankheit weiterhin innerlich verneinte. Die Ärzte einer psychiatrischen Klinik legten mir dann sehr nahe doch Medis einzunehmen.  Im Verlauf der Jahre wechselten diese mehrmals. Einmal hatte ich genug davon (oder war trotz Medis bereits wieder leicht psychotisch), so dass ich sie abgesetzt habe. Dieser Schritt und andere Umstände begünstigten eine erneute Psychose/Manie. Medikamentöse Behandlung kann nach meiner Meinung nicht die einzige Massnahme sein. Es gibt andere Faktoren die ebenfalls sehr wichtig sind. Ich denke, Betroffene sollten unbedingt, soweit als von der Urteilsfähigkeit her möglich, in Entscheidungen über ihr Wohlbefinden eingebunden werden. Ohne Zweifel würden dann eingeschlagene Wege später eher eingehalten werden.  Dies ist und bleibt wohl eine Gratwanderung. Eine Möglichkeit als Betroffener Einfluss zu nehmen ist das Aufsetzen einer psychiatrischen Patientenverfügung (PPV), welche im Fall von Handlungsunfähigkeit Bedeutung erlangt.

Ich habe meine Morgenmedis bereits eingenommen. Ich gebe zu, es wäre mir auch lieber ohne, aber für mich haben sie sich bewährt. Wie bereits angedeutet, ist es anders für jedes Individuum.  Ich hoffe, falls du auch mit einer psychischen Erkrankung lebst, du (d)einen Weg findest.

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